Manaslu 2012

MANASLU Expedition 2012

24.08.2012 bis 07.10.2012

1.Tag (24.-25.8.12)

Nach langen schwierigen Verhandlungen mit meiner Familie und mit mir selbst, entschied ich mich doch letzt endlich für die Besteigung des achthöchsten Berg der Welt dem Manaslu (8163 m) in Nepal.

Nach dem schwierigen Abschied nehmen von meiner Familie, Eltern, Geschwistern, Tanten, Onkels und allen Bergfreunden inklusive Team Rappold und St. Leonhard starteten wir mit Bruder Erich und Sohn seinen Alexander um 16:40 Uhr los. Wir holten noch die 3 Zillertaler Bergsteiger Albert, Martin, Michael beim Kundler Spar ab und fuhren nach Münchner zum Flughafen. Dort trafen wir uns mit Bergführer Stephan Keck und 2 Bergsteigern aus Deutschland. Nach dem Einchecken ging es um 22:20 Uhr ab nach Mustac (Flughafen der Ölscheichs). Nach ruhigem Flug landeten wir um 06:20 Uhr wo wir den Rest der Gruppe begegneten. Es waren die vier Schweizer Bergsteiger: Richi, Torsten, Pascal und Roger dem ersten Eindruck nach alles fitte Burschen. So nun war unsere Mannschaft für die nächsten 6,5 Wochen komplett.

Wir warteten noch 5 Stunden auf den nächsten Anschlussflug nach Kathmandu, wo wir nach 5,5 Stunden landeten. Wir holten unser Gepäck, fuhren zum Hotel, es gab hier noch ein Essen und eine kleine Vorstellungsrunde von Jedem und anschließend ging es zum Schlafen.

 

2.Tag (26.8.12)

Um 08:00 Uhr gab es Frühstück, wir waren so ziemlich im besten Hotel, dass es in Kathmandu gibt.

Heute hatten wir einen Kulturtag – um 09:30 Uhr holte uns ein Bus mit deutschsprachigem Reiseführer ab (der Chef von Kobler & Partner) hatte alles perfekt organisiert. Jetzt konnten wir erstmals diesen Ort von einer ganz anderen Seite sehen, wie schon zuvor im Jahre 2009. Die Stadt war sehr interessant aber ist auch noch schlimmer als 2009 geworden. Ein paar Fakten, die uns der Reiseführer genannt hatte: 80 % Arbeitslose, 50 Jahre zurückgeblieben, viel Elend – es herrscht hier überhaupt keine Regierung. Bei der Stadtbesichtung sahen wir eine öffentliche Leichenverbrennung, die nicht gerade sehr sehenswert war.

Nach unserem Ausflug ging es wieder zurück ins Hotel, wo wir uns ein Bier gönnten um das Ganze wieder zu neutralisieren. Stephan hatte schon den ganzen Tag zu tun um alle Erledigungen für unsere weitere Expedition zu machen. Am Abend gingen wir noch ein Steak essen.

3.Tag (27.8.12)

Heute sollte nochmal ein ruhiger Tag werden, denn Stephan hatte erfahren, dass die Straße zu unserem Lager völlig kaputt durch den Monsunregen sei. Durch die gute Organisation brachten es die Jungs fertig uns in ein vorgeschobenes Lager zu bringen. Um 11:00 Uhr ging es mit einem vollgepackten Bus vom Hotel aus ca. 7 Stunden über kleinere Pässe, enge Täler und holprige Straßen. Wir kamen auch am Nachmittag in den Regen, denn die Monsunzeit geht erst zu Ende. Unser Bergführer Stephan hofft, dass wenn wir im Basislager (5.000 m) sind der Regen aufhört. Wir kamen um 18:00 Uhr in unserem neuen Hotel an, dann hieß es nur noch Karten spielen, essen und schlafen.

4.Tag (28.8.12)

– Tagwache war um 06:00 Uhr.

Heute wird es besonders interessant, wir mussten von Gurka nach Arogat, aber das ging nicht unter normalen Umständen. Der Bus holte uns um 07:00 Uhr ab, nach ein paar Kilometern der Straße entlang, wurde sie immer holpriger: es waren gewaltige, tiefe Spurrinnen mit Schlamm auf dem Weg und wir kamen nur ganz langsam weiter. Noch dazu war dieser Bus vollgepackt mit Arbeiter, Schulkinder, Pendler etc. aber davor hat uns Stephan am Vortag ja schon mal gewarnt. Nach 4 Stunden Fahrt mussten wir dann auch noch Auto wechseln da auf einmal ein Stück der Straße fehlte. Wir stiegen sozusagen auf der anderen Seite des Weges wieder um und fuhren mit einem neuen Bus weiter. Jetzt glaubten wir, das Schlimmste sei überstanden aber die Straße ging immer so rillig und verschlammt weiter und wurde sogar noch schlimmer, der Monsunregen hatte die Strecke völlig zerstört. Nun mussten wir auch noch zweimal aussteigen und mit anschieben helfen (Abenteuer pur). Noch 2 weitere Stunden Fahrt, dann waren wir endlich am Ziel angekommen und der Tag war auch schon wieder vorbei. Nach dem Abendessen ging es dann gleich ins Bett. Nun heißt es ab dem nächsten Tag endlich die Bergschuhe auspacken – gute Nacht!

5.Tag (29.8.12)

Kein besonders anstrengender Tag: 07:30 Uhr Frühstück, 08:00 Uhr Abmarsch Richtung Soti-Kohla 700 Höhenmeter. Erster Eingewöhnungsmarsch, denn die nächsten Wochen sollen wir 7650hm hinter uns bringen. Wir gingen das Ganze sehr ruhig an da wir viel Energie aufsparen müssen, denn dadurch dass in Nepal gerade die Monsunzeit ist, war es noch dazu besonders heiß. So marschierten wir bei + 30°C ins nächste Port ca. 12 km. Da wir das Ganze langsam angehen müssen, beschlossen wir nun auch schon um 13:00 Uhr in die Ruhezeit/Kartenspielen, Essen und Bier trinken überzugehen und den Tag ausklingen zu lassen.

6.Tag (30.8.12)

Heute werden wir ein wenig weiter gehen – ca. 20 km. Wir starteten um 07:30 Uhr und wanderten den Dschungel leicht ansteigend Richtung Maccha Kohla. Es war eine sehr lässige Wanderung: viele schöne und um Jahre zurückgebliebene Dörfer gab es hier. Nach ein paar Pausen kamen wir schließlich um 16:00 Uhr durch die hohe Luftfeuchtigkeit und Temp. von + 32°C völlig durchnässt im Lager an. Morgen sollte es wieder ein schwieriger Marsch werden – ca. 7 Stunden Stephan hatte vom nepalesischen Bergführer erfahren, dass die Straßen zum Teil völlig weggespült sind und es deshalb das Ganze für uns noch schwieriger machen sollte. Nun haben wir noch ca. 60 km bis wir in Samagaun eintreffen.

7.Tag (31.08.12)

Wir starteten von Machha-Kohla um 08:00 Uhr los – es war an und für sich eine ruhige Wanderung aber wir mussten laufend bei Erdrutschen vorbei. Wir kamen an 2 völlig verschütteten Häusern vorbei in denen zum Glück keine Personen verschüttet wurden. Die Bewohner baten um Spenden, was wir natürlich ohne zu zögern machten. So kamen wir nach ca. 22 km Wanderung und 900hm an unserem Tagesziel Jagoit an. Wir bezogen die Lodge, bekamen noch etwas zu essen und ließen den Tag 7 ausklingen.

8.Tag (01.09.12)

Heute sollte unser Tag wieder ähnlich werden – wieder zwischen 20 und 30 km Wanderung durch den Dschungel, nur jetzt stellte sicher immer mehr heraus, wo die stärksten Mitglieder waren, deshalb splittete unsere Gruppe sich. Wir hatten einen deutschen Gast mit in der Gruppe und für ihn musste Stephan sozusagen einen eigenen Nepalesen als Nachtreiber bestimmen eigentlich eher nicht ganz richtig für so eine Expedition aber Ludwig, so hieß er, war Mediziner und das war auch ein großer Vorteil. So wanderten wir eigentlich flott vor uns hin, bis unser Begleiter uns nacheilte und meinte, dass wir schon zu weit gegangen waren und das auch noch um 7 bis 10 km. Es gab hier Verständigungsschwierigkeiten zwischen unserem nepalesischen Bergführer und Stephan Keck. Wir, Stephan, Albert, Michael, Martin und ich aus Tirol, Martin aus Deutschland, Richi, Rocher blieben in Bihi und der Rest der Gruppe: Torsten, Pascal und Ludwig schliefen in Dyang. Somit war der Tag 8 schon wieder vorbei.

9. Tag (02.09.12)

Tag 9 verlief recht ruhig, wir starteten um ca. 08:00 Uhr nach dem Frühstück Richtung Namrung da eilte plötzlich unser Koch mit der Tagesverpflegung herbei und meinte, dass der Rest der Gruppe schon um 07:00 Uhr gestartet ist. Stephan sagte, dass wir dann einfach heute wieder in Namrung zusammentreffen werden. Hinter uns war eine Gruppe Amerikaner unterwegs, dass hieß für uns, Gas geben, damit wir die guten Plätze in der Lodge ergattern. Ist uns dann natürlich auch gelungen, so trafen wir um ca. 13:30 Uhr in der genannten Lodge in Namrung ein. Morgen hatten wir unser vorläufig letztes Etappenziel vor uns (Samagaun), denn der nächste Aufstieg sollte zum Basislager auf 5000hm des Manaslu´s folgen. Zuvor müssen wir aber unbedingt noch einen Ruhetag in Samagaun einlegen, denn wir hatten die letzten 5 Tage 4800 Höhenmeter und ca. 120km bei teilweise brütend heißen Temperaturen durch den Dschungel Nepals zurückgelegt. Gute Nacht!!!!!

10. Tag (03.09.12)

Der vorläufig letzte Wandermarsch, bevor wir ins Hochlager starteten. Wir kamen um ca. 15:00 Uhr im Samagaon an, wo wir uns von unseren Trägern mit dem nötigen Trinkgeld verabschiedeten. Ein interessantes Detail, unsere letzte „Lodge“ in Samagaun, war noch im Rohbau. Die Zimmerer und Tischler mussten erst noch 2 Zimmer fertigstellen, andernfalls müssten wir unsere Zelten auspacken. Aber es gelang ihnen tatsächlich für 9 Leute 2 Zimmer zu richten. Stephan und ich übernachteten im Esszimmer mit weiteren 15 Leuten, Trägern usw. Somit ging auch schon Tag 10 zu Ende, man spürte jetzt immer mehr, warum wir eigentlich hier sind. Kurze Info über unsere Höhenlage: wir sind nun mittlerweile auf einer Seehöhe des höchsten Berges Zillertals (Hochfeiler 3510 m).

Morgen Ruhetag!

11. Tag (04.09.12)

Heute hatten wir einen richtigen Faulenzertag. Jeder konnte den Tag selber gestalten aber wir mussten noch unser ganzes Großgebäck für das Basislager kontrollieren und damit verbrachten wir eh schon wieder den halben Tag. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder mit Kartenspielen, Essen.

Stephan meinte, wenn wir Glück haben und die Träger mitspielen, könnten wir schon morgen ins Basislager aufsteigen. Aber er warnte uns auch zu gleich, dass wir alleine ca. 80 Träger benötigen, jedoch in diesem nepalesischen Ort nur 95 Träger sind. Es sind ca. 30 Expeditionen auf dem Weg Richtung Samagaun, die auch viele Träger benötigen.

12. Tag (05.09.12)

Es ist tatsächlich so eingetroffen, wie Stephan vorausgesagt hat. In der Früh war kein einziger Träger in Sicht – somit also wieder freier Tag für uns. Stephan musste noch mal mit den Trägern verhandeln und durch seine gute Verhandlungstaktik erreichte er, dass wir morgen ins Basislager aufbrechen können. Jedoch hatte sich der Preis wegen der hohen Nachfrage an Trägern verdoppelt.

Wir gestalteten diesen Tag mit einer gemütlichen Wanderung Richtung chinesischer Grenze ca. 20km hin und retour. Es hat sich eigentlich in diesem Sinne gelohnt, da wir heute erstmals unser Zielobjekt den Hauptgipfel vom Manaslu 8163m sehen konnten – überwältigend! Stephan marschierte heute schon mal zum Basislager um Ausschau zu halten, ob für morgen unser Platz wirklich reserviert und gesichert ist. Der nepalesische Bergführer hatte uns versprochen, dass wir einen halbwegs vernünftigen Platz für ca. 20 Zelten bekommen der auch einigermaßen gerade ist, denn wir müssen die nächsten 3 Wochen da oben verbringen. Als Stephan dann zurückkam übermittelte er uns gleich die guten Nachrichten, dass alles o.k. ist und es morgen losgeht. Auf die gute Nachricht und den Geburtstag von meinem Schwager Franzä tranken wir noch ein Bier.

13. Tag (06.09.12)

Um 06:00 Uhr Tagwache, weil die Träger schon früh starten wollten. Als wir aus der Lodge schauten, trauten wir unseren Augen nicht, denn heute war es fast wolkenlos gewesen und der mächtige Riese zeigte sich von seiner schönsten Seite, was natürlich unsere Stimmung für den Aufstieg ins Basislager gewaltig verbesserte. Es wurden gleich einige Fotos geschossen bevor es tatsächlich losging. Wir hatten 1300 Höhenmeter mit mittelschwerem Gepäck (ca. 12 kg) und das von einer Höhe von 3500 m bis 4800 m zurückgelegt. Kein Honiglecken und noch dazu schafften wir das in einer Zeit von ca. 4 Stunden. Wir kamen um 11:00 Uhr im Basislager an und hatten eine riesige Freude, noch dazu gab es gleich noch einen Schnaps. Wir waren nun die fünfte Gruppe vor Ort und staunten erstmals nicht schlecht, denn es waren schon ungefähr 80 Zelte aufgebaut. Für uns hieß es anpacken zusammenhelfen und die Zelte aufbauen, noch dazu hatte sich das Wetter extrem verschlechtert. Als wir mit dem Aufbau fertig waren, begann es zu regnen und wir verkrochen uns gleich in unsere Zelte. Der Doktor kam mit 3 Stunden Verspätung auch im Lager an – mal sehen wie es weiter geht…

14. Tag (07.09.12)

Heute konnten wir bis 08:00 Uhr schlafen, so gut es eben ging, immerhin sind wir schon auf der Höhe des Mont-Blanc 4800m und auf dieser Höhe ist es mit dem Schlafen generell nicht mehr so einfach. Ein paar in der Gruppe hatten bereits die ersten Probleme mit der Höhe, wie Kopfschmerzen, Verkühlung etc. Bis jetzt hatte ich noch Glück und blieb verschont. Nach dem Frühstück stiegen wir ca. 200hm dem Gletscher entgegen um unsere Körper noch mehr an die bevorstehenden Strapazen anzupassen. Nach dem Abendessen erfuhren wir, dass wir gleich am nächsten Tag das Lager 1 in Angriff nehmen. Proviant, Schlafsack, Unterlagematten etc. hochtragen. Stephan hatte mit den Schweizer Wetterfröschen Kontakt aufgenommen und für die nächsten 5 Tage war gemischtes Wetter (Sonne, Regen, Nebel) angesagt. Der Monsun war noch nicht ganz abgeklungen. Wir hatten die letzten 10 Tage nicht einen Tag ohne Regen erlebt, zwar immer wieder Sonne aber die meiste Zeit gemischt. Gott sei Dank sonst hätten wir wahrscheinlich auch noch mit Depressionen zu kämpfen. Wir hoffen weiterhin auf den Wettergott!!!!!

15. Tag (08.09.12)

Um 06:00 Uhr kamen der nepalesische Koch und sein Gehilfe beim Zelt mit Tee vorbei, so wird das nun jeden Tag laufen. Als ich mein Zelt öffnete, strahlte mir schon die Sonne entgegen. Albert schrie in diesem Moment, dass wir zum Manaslu schauen sollten, dieser strahlte wie ein Diamant. Die Stimmung war super. Um 07:20 Uhr marschierten wir Lager 1 (5700 hm) entgegen, unsere Nepali-Sherpa hatten schon ein Zelt für das von uns hochgeschleppte Material vorbereitet. Wir kamen um ca. 12:00 Uhr endlich im Lager an und sahen auch gleich schon die Aufstiegsroute nach Lager 2. Nach einer gemütlichen Rast, machten wir uns ans Rucksäcke auspacken und marschierten wieder zurück in unser Basislager. Dort gönnten wir uns dann ein Bier und ein Schnäpschen. Somit ging der Tag nach 900 Höhenmeter Aufstieg recht müde zu Ende. Morgen ist Sonntag – Ruhetag!

16. Tag (09.09.12)

Heute ging es gleich richtig rund - nach dem Frühstück kam ein nepalesischer Mönch zu uns um die ganzen Expeditionen zu weihen. Um 09:00 Uhr waren wir dran. Stephan sagte, dass jeder von uns etwas zum Weihen abgeben sollte, das wir mit auf den Gipfel nehmen möchten und noch dazu 5 Dollar pro Mann. Das war eine äußerst interessante Sache, wir standen alle um einen Steinhaufen mit Feuer und dann wurden die Sachen (Pickel, Handschuhe, Flachmann etc.) zum Weihen hingelegt. Der Mönch machte seine Sache gut, wir mussten nepalesische Spezialdrinks und Kekse zu uns nehmen und nach der Zeremonie konnten wir unser Frühschoppen mit Bier fortsetzen – denn heute ist Ruhetag! Am Abend dann nach der Besprechung, hieß es in der Früh 2-3 Tage das Basislager verlassen und Richtung Lager 1 und 2 zu begeben. Die Sache wird nun immer ernster.

17. Tag (10.09.12)

Heute haben Brigitte und ich unseren 18. Hochzeitstag, wo ich schon wie letztes Jahr (Südamerika) wieder nicht zuhause sein konnte aber „Das“ wird nachgeholt.

Um 07:30 Uhr starteten wir Richtung Lager 1, denn heute wollen wir unsere erste Nacht im Lager 1 verbringen. Wir marschierten gemütlich mit ziemlich schwerem Gepäck nach oben, denn die nächsten 2 Tage werden wir hier verbringen. Wir kamen um ca. 12:30Uhr an. Anschließend mussten wir die Zelte beziehen, das Wetter war gut, Besprechung für den nächsten Tag, denn da geht es ins Lager 2, Wasser kochen etc. Wir waren nur noch 9 Leute im Lager 1, Torsten und Ludwig ging es nicht so gut, sie drehten nach ca. 100hm um und funkten mit Stephan, dass sie zurück ins Basislager gehen. Für uns stand Bettruhe auf dem Programm, denn am nächsten Tag soll es wieder richtig zur Sache gehen.

18. Tag (11.09.12)

Nach einer unruhigen Nacht auf 5700m ging es um 06:00 Uhr los, davor noch Wasser schmelzen für Tee und Tagesgetränk (auf dieser Höhe muss man ca. 4-5 Liter am Tag trinken) und dann ging es mit dem Aufstieg los, es war recht steil über die Gletscherspalten und Brüche, Seracs etc. Nach ca. 100hm klagten Michael und Roche dass sie sich nicht gut fühlten und lieber umdrehen würden. Für den Rest einschließlich mir ging es weiter, es war auch für uns sehr schwer. Wir mussten viele Eisbrüche und steile Aufschwünge passieren aber wir schafften mit viel Kopfarbeit das Ganze einigermaßen zu bewältigen. Somit kamen wir um ca. 11:00 Uhr im vorgeschobenen Lager 2 an und brauchten mal eine größere Pause. Wir sind jetzt auf einer Seehöhe von 6300 Metern. Ich konnte mit dieser Höhe meine persönliche Bestmarke um deutliche 100 hm übersteigen. (Island Peak, 6195 m)

Wir waren alle glücklich und zufrieden im Lager 2 angekommen zu sein. Stephan und Martin D. wollten noch weiter den Weg nach Lager 3 erkunden, denn sie fühlten sich noch fit. Wir begannen nach ca. 1h Pause mit dem Abstieg und kamen gegen 14:00 Uhr im Lager 1 an und verkrochen uns in unsere Zelte. Um ca. 16:00 Uhr kam Stephan und Martin D. dann auch im Lager 1 an und meinte, wer will, kann auch ins Basislager absteigen. Die halbe Mannschaft schloss sich seinem Vorschlag an doch Martin Z., die 4 Schweizer und ich blieben, damit wir uns noch besser Akklimatisieren können.

19. Tag (12.09.12)

Möchte an dieser Stelle gleich einen Glückwunsch verschicken und gratuliere dem Michael zum 70er, wünsche ihm viel Gesundheit und Zufriedenheit.

Nach ca. 14 Stunden im Lager 1 und das fast die ganze Zeit im Schlafsack, kroch ich um ca. 06:30 Uhr aus dem Zelt – erneut traumhaftes Wetter. Die Schweizer Kollegen waren auch schon wach – Gruezi. Um 07:40 Uhr starteten wir Richtung Basislager, denn für die nächsten 2 Tage war Ruhe angesagt. Der restliche Tag verlief recht ruhig, Karten spielen, Speck essen und später wieder ab ins Zelt, denn was soll man auf dieser Höhe von 4700 Metern sonst so machen. Teilweise sehr langwierig das Ganze – aber selber ausgesucht – Gute Nacht!

20. Tag (13.09.12)

Beim Frühstück um 09:00 Uhr erfuhren wir, dass wir noch einen Ruhetag im Basislager verbringen werden, denn die halbe Mannschaft ist angeschlagen (Angina, Magenprobleme etc.) Das heißt, dass wir am 15.9.12 Richtung Lager 1 wieder aufbrechen werden. Wenn halbwegs alles so klappen würde, wie Stephan es geplant hat. Wetter wird gutes vorhergesagt – was bedeutet, dass wir um den 19.9.2012 den Gipfelversuch starten werden. Mal schauen! Für heute Mittag ist ein Interview von einer italienischen Agentur angesagt. Zum Glück haben wir durch Pascal aus der Schweiz einen gut italienisch sprechenden Partner gefunden und Albert, Hüttenwirt aus dem Zillertal, wird unsere Mannschaft sicher gut vertreten und uns gut ins Licht rücken. Danach tranken wir noch Bier uns ließen den Tag gemütlich ausklingen.

21. Tag (14.09.12)

Heute hatten wir einen typischen Ruhetag. Um 08:30 Uhr frühstücken und den ganzen Tag nichts tun. Nach dem Mittagessen bekamen wir die Nachricht, dass unser Dok. Ludwig uns verlassen will. Er hat einfach zu wenig Alpinerfahrung. Nun musste Stephan mit den nepalesischen Bergführern ein Ersatzprogramm finden, was am Anfang nicht ganz leicht war aber schließlich dann doch klappte. Ludwig musste zurück nach Samagaon um dort eine Trekkingtour mit einer Begleitperson zu machen. Diese Tour sollte für die nächsten 2-3 Wochen stattfinden und wenn alles gut geht, dann treffen wir den Dok. wieder in Kathmandu. Für uns soll es morgen richtig losgehen, Lager 1 beziehen, schlafen, ab nach Lager 2 (6800 m), Lager 2 schlafen, ab nach Lager 3 (7400 m), schlafen, Gipfelgang versuchen. Wenn alles so klappen würde dann wäre der 19.9.2012 Gipfeltag – aber da kann noch viel dazwischen kommen – mal sehen.

22. Tag (15.09.12)

Heute ist Samstag – genau Halbzeit! Wetter ist leider schlecht, es regnet aber wir wollten trotzdem Lager 1 beziehen. Nach dem Frühstück mussten wir Ludwig verabschieden und anschließend konnte sich jeder, wie er will, nach oben bewegen, denn den Weg dorthin kennt nun schon fast jeder. Ich startete mit 3 Zillertalern um ca. 10:00 Uhr. Martin D. entschloss sich auch mit uns mitzugehen. 2 Schweizer Kollegen sind schon um 08:00 Uhr gestartet. Stephan hatte noch eine Sitzung mit anderen Expeditionschefs – er wollte später nachkommen. Wir waren zu zehnt mit Stephan unterwegs, denn Roche und Torsten blieben im Basislager weil sie gesundheitlich noch nicht fit waren. Um ca. 14:00 Uhr trafen wir im Lager 1 ein und es blieb uns für den restlichen Tag nicht mehr viel übrig – das Wetter war schlecht, mittlerweile hat es zu schneien begonnen. Wir tranken ein Schnapserl, kochten Tee – anschließend ab in den Schlafsack denn um 06:00 Uhr in der Früh geht’s ab ins Lager 2.

23. Tag (16.09.12)

Als wir um 05:30 Uhr aus dem Zelt guckten, war die Hoffnung für Lager 2 ziemlich gesunken – 20cm Neuschnee und weiterhin Schneefall Da aber Stephan, 2 Schweizer und Martin D. schon bereit waren, versuchten sie den Aufstieg zum Lager 2. Im Lager angekommen funkte uns Stephan, dass die Verhältnisse schlecht sind. Ich war mittlerweile dann auch schon bereit aber Michael meinte, dass ihm das nicht interessiere und er im Lager 1 bleiben wolle, 5 Minuten darauf schloss sich Martin auch dieser Meinung an, jetzt blieben nur noch Albert und ich übrig. Beim Steigeisen anziehen klagte Albert plötzlich von Durchfall. Jetzt war die Mannschaft ziemlich klein und geschwächt. Gleich darauf kam unsere nepalesische Sherpa Mannschaft vom Basislager unter der Anführung von Norbu. Mit ziemlich schwerem Gepäck für das Lager 2. Da sich Albert bis dahin wieder einigermaßen erholt hat – sprachen wir nun mit Stephan über Funk, wie wir vorgehen sollten!? Albert traute sich keinen Aufstieg zu und ich alleine wollte bei diesen Wetterverhältnissen auch nicht aufsteigen - obwohl ich diesen Weg schon mal gegangen war aber nicht unter diesen Umständen. Wir blieben also doch im Lager 1 zurück und verkrochen uns wieder im Schlafsack. Um 18:00 Uhr kam der nächste Funkspruch von Stephan: weiterhin Schnee und unveränderte Lage, sie waren auf 6300 m und würden die Nacht dort verbringen. Wir sollten am nächsten Tag um 05:00 Uhr aufbrechen und zu Ihnen aufs Lager 2 (6300m) kommen. Wir verbrachten den restlichen Sonntag im Zelt, was wir aber mittlerweile eh schon ziemlich gut konnten.

24. Tag (17.09.12)

Der Traum von Lager 2 ist nun geplatzt, denn der Wettergott meinte es nicht gut mit uns. Es schneite die ganze Nacht dahin und wir mussten immer wieder die Zelte vom Schnee befreien. Dies ist wichtig, denn sonst kann dir im Zelt die Luft ausgehen… Da wir aber ohnehin die ganze Nacht kaum ein Auge zugemacht haben, kann dieser Fall Gott sei Dank nicht eintreten. In der Früh dann war Albert der Erste und weckte uns mit folgenden Worten: „ Scheiß-Nacht, Scheiß-Wetter, viel Schnee“ Deshalb entschlossen wir uns auch gleich drauf für den Abstieg ins Basislager. Wir machten uns um den Rest der Gruppe dort oben ein wenig Sorgen – hoffentlich mag es ihnen gut gehen!? Das zusammenpacken, abbauen etc. war alles leichter als gesagt, denn wir hatten überhaupt keine Spur aber da wir den Weg schon 4 x gegangen sind werden wir das schon hinkriegen. Wir, Albert, MartinZ, Michael und ich gingen also den Riesengletscher des Manaslu wieder hinab ins Basislager. Nach schwieriger Spurarbeit kamen wir um 08:30Uhr an. Gleich mal einen Schnaps und Tee gegen das Verkühlen. Anschließend bekamen wir einen Funkspruch vom restlichen Team, dass sie auch schon wieder im Lager 1 seien und ca. 50cm Neuschnee hatten. Für die restlichen Tage war keine Wetterbesserung in Sicht – hoffentlich wird uns nicht die Zeit zu knapp… Der Nachmittag gestaltete sich wieder mit Kartenspielen, Nachdenken und Schlafen, denn im Hochlager bekommt man nie genügend Schlaf, denn da ist bei Ruhepuls von 80 - 100, Kopfweh vorprogrammiert- alles Strapazen vom Höhenbergsteigen – warum tut man sich das bloß an!?

25. Tag (18.09.12)

So nun ist die Scheiße am Dampfen, denn 4 Tage ohne Sonne, nur Regen und Schnee – der Manaslu erstickt schön langsam im Schnee. Den Gruppen steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Aber es hilft nichts, die Hoffnung stirbt zuletzt. Heute soll sich entscheiden, ob die Gruppe wieder kleiner wird, denn Roger hat sich seit seiner Verkühlung nicht mehr erholt, es scheint fast, als hätte er eine leichte Lungenentzündung. Er und Torsten wollen deshalb am nächsten Tag nach Samagaon absteigen und dort auf den Hubschrauberflug nach Kathmandu warten. Torsten geht es auch schon seit einiger Zeit nicht besonders gut. Somit hat sich nun die Schweizer 4er Mannschaft auf nur noch 2 Leute verringert. Jetzt kämpfen wir zu acht, anstatt zu elft weiter – wer weiß was uns noch alles erwartet. Trotz allem muss es weitergehen – nach dem Frühstück bekamen wir Besuch von der Prominenz: Russel Brice ein neuseeländischer Großexpeditionsanbieter, Henry Todd Amerika auch ein Großer unter den Agenturen und einer der Bekanntesten französischen Freerider Rémy Lécluse, sie tranken bei uns Kaffee und unterhielten sich mit Stephan. Die Experten besprachen auch wie es weitergehen soll!? Zurzeit haben alle die Schnauze von dem grausigen Wetter voll. Martin Z. meinte, ob wir uns nicht ein Bier gönnen sollten – an dieser Stelle auch gleich meinen Bruder Hermann alles Gute zum 48er! Sodann endete der restliche Tag im Kommando Zelt, wir hatten nun vom Frühstück bis zum Abendessen 12 Stunden im Zelt verbracht. Aber was soll man sonst machen – alleine im Zelt liegen ist noch schlimmer.

26. Tag (19.09.12)

Heute war ein recht angenehmes Aufwachen, denn heute weckte uns nach langer Zeit wieder mal die Morgensonne vom Manaslu, ein herrliches Gefühl. Albert schrie vorm Zelt umher wie ein kleines Kind: „Manda schauts aussa“ als ob er den Berg das erste Mal gesehen hätte. Es war wirklich sehr schön! Danach ging es gleich zum Frühstück, heute gab es nepalesisches Frühstück, Kartoffelsuppe + Patati, mir würde ein Kaffee auch reichen. Vormittags konnten wir endlich mal unsere Bekleidung/Schlafsack trocknen und kultivieren in der schönen Sonne. Nach dem Mittagessen hieß es Abschied nehmen von Roger und Torsten – unsere Schweizer Bergkollegen müssen nun nach Samagaon, von dort geht es weiter nach Kathmandu und anschließend nachhause. Schade, aber wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, dann geht auf solchen Bergen gar nichts mehr. Für uns verlief der restliche Tag unspektakulär.

27. Tag (20.09.12)

Heute nach dem Frühstück müssen wir mal eine Lagerrunde drehen. Mittlerweile stehen schon an die 300 Zelten im Basislager mit ca. 37 Expeditionen aus der ganzen Welt. Sehr interessant welche Nationalitäten man hier antrifft. Auch einzelne Österreicher u. Deutsche. Ein deutsches Team mit Benedikt Böhm Speed-Skibergsteiger für Dynafit ist auch vor Ort darunter auch ein Italiener, welcher schon alle 14!! 8000er bestiegen hat, sein Name: Silvio Mondinelli. Zum Mittagessen kamen wir von unserer Runde wieder zurück. Jetzt waren wir nur noch zu acht (mit Chef). Um 18:00 Uhr war dann noch Befehlsausgabe für die nächsten Tage, denn jetzt meldet der Wetterbericht endlich mal 5-6 Tage ohne Niederschlag Das müssten wir natürlich sofort nutzen. Stephan sagte, wer will, wir morgen ins Lager 1 aufsteigen können – andernfalls übermorgen gleich Lager II durch marschieren, 6300 m, 22.9.2012, Lager II schlafen, 23.9.2012 richtiges Lager III 6800 m aufsteigen und schlafen, 24.9.2012 Lager IIII 7400 m aufsteigen und schlafen, 25.9.2012 Gipfeltag – mal schauen ob die Rechnung von Stephan Keck aufgeht – wäre schön! Gute Nacht!

28. Tag (21.09.12)

Wir sind jetzt seit 6.9.2012 im Basislager – also die Höhenanpassung dürfte stattgefunden haben, muss man sich vorstellen, wir sind schon 16 Tage auf einer Höhe des Mont Blanc, Tag und Nacht teilweise Regen/Schnee und nicht besonders viel Sonne - ca. Tag für Tag 16 Stunden im Zelt – ganz schön anstrengend. Wie wir heute noch erfuhren, verzögert sich das Ganze jetzt nochmal um einen Tag, Stephan war wieder bei einer Besprechung und erfuhr, dass am 25.9.2012 starker Wind im Gipfelbereich aufkommt. Ca. 80km/h und er beschloss besser unten warten als oben. Wir verbrachten wieder einen langen Tag im Lager – Kartenspielen, Essen, Schlafen – gute Nacht – vier Wochen sind vorbei.

29. Tag (22.09.12)

Jetzt weckt uns jeden Tag die Sonne – endlich haben wir mal brauchbares Wetter für unsere Aktion. Nach dem Frühstück musste Stephan nochmals zu einer Sitzung mit den Großanbietern von Expeditionen, Russel Brice usw. Als er zurückkam musste er uns leider nochmal enttäuschen, denn der Aufstieg wurde um ein weiteres Mal verschoben. Wir mussten die Nachricht gelassen hinnehmen, es blieb uns nicht anderes übrig – er ist der Chef. Wir kamen uns mittlerweile immer öfter wie Gefangene vor – Frühstücken, Mittagessen, Abendessen, schlafen und das die letzten 6 Tage immer gleich. Das einzige der Ausblick auf den Manaslu hatte sich verbessert und verschönert – das munterte uns ein wenig auf – somit geht auch Tag 29 zu Ende.

30. Tag (23.09.12)

Heute nach meiner Morgentoilette um 06:00 Uhr, dachte ich mir so ein schöner Tag, wolkenlos und blitzblauer Himmel, sowas habe ich die letzten 18 Tage die wir im Basislager sind, noch nie gesehen. Aber an diesem Tag verwandelte sich der Manaslu in einen rabenschwarzen Sonntag, denn Stephan überbrachte uns die Nachricht, dass das Lager 3 von einer Lawine weggerissen wurde und es einige Tote geben würde. Jetzt wurde es plötzlich sehr still im Lager, wir waren alle sehr betroffen und wagten einen Blick in Richtung Berg, wo gestern noch 10-12 Zelte standen, war nun alles leer – sehr schlimm. Stephan meinte, wir sollten jetzt mal frühstücken gehen und halbwegs relaxed bleiben, denn er muss jetzt mit dem Hubschrauber hinauf um zu helfen, so gut er kann. Der Hubschrauber brauchte ziemlich lange, immerhin waren es von Kathmandu bis ins Basislager ca. 150 km. Endlich um 09:30 Uhr (fast 3 Stunden nach dem Unglück) kam der Hubschrauber und brachte Stephan zum Unglücksort. Erster Funkspruch war 8 Tote und 14 Vermisste, brutal so etwas mitzuerleben. Einige Verletzte wurden mit dem Heli heruntergeflogen und erstversorgt. Wir mussten dieses Schicksal hautnah miterleben und schüttelten nur noch unsere Köpfe, denn wenn wir nach unserem ersten Plan gearbeitet hätten, wären wir auch auf Lager 3 gewesen – Dank Russel Price seinem Expeditionsteam und natürlich unserm Stephan Keck sind wir gesund und munter im Basislager. Jetzt mussten wir mal einen Whisky zu uns nehmen. Wie sich später von Stephans Funkspruch herausstellte, sind es nun 8 Tote und 3 Vermisste, Stephan meinte, er könne oben nichts mehr tun und es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld (Leichen, Schuhe, Bekleidung, kaputte Zelte etc.) So einen Lawinenkegel hätte er im ganzen Alpenraum noch nie gesehen. Nach 20 jähriger Erfahrung hatte er sowas noch nie erlebt. Stephan kam zu Fuß ins Basislager zurück, beim Abendessen erfuhren wir dann wieder weitere Details: 1 Deutscher, 1 Italiener, 1 Sherpa, 5 Franzosen Tod und 3 Franzosen werden noch vermisst. Wir waren alle fassungslos, denn im Moment weiß keiner genau, wie es weitergeht!? Zuhause sind alle informiert, dass es uns gut geht!

31. Tag (24.09.12)

Wieder ein strahlend schöner Tag, der Berg oder die „Seele“ wie die Einheimischen den Berg nennen, hatte sich wieder beruhigt. In der Früh flogen schon die Hubschrauber, um die Toten vom Berg zu bringen. Kein schönes Bild, denn die Säcke mit den Toten wurden im Basislager abgelegt, welche dann ein anderer Hubschrauber ins Tal nach Kathmandu flog. Stephan sagte nach dem Frühstück, dass wir uns überlegen können, ob wir aufsteigen wollen oder nicht!? Denn der Berg ist jetzt entspannt und von der Lawine her total frei und einem Aufstieg stünde nichts im Wege. Jetzt musste mal jeder mit sich klären, ob er dabei ist oder nicht – wir sollen ihn bis Nachmittag Bescheid geben. Stephan musste mittags zu den Sherpas, diese wollen nun alle streiken, denn die haben eine sehr strenge Religion und wollen auf keinen Fall mehr in diesem Jahr da rauf – außer unser Hauptsherpa Norbu. Als unser Bergführer Stephan zurückkam, überbrachten wir die Mitteilung, dass wir alle für den Aufstieg bereit sind – außer Michael geht nur nach Lager 1. Stephan hatte nun folgenden Plan: 25.09.2012 Lager 1 - 5700 m, 26.09.12 Lager 3 – 6900 m, dann müssen wir schauen, wie viel Schnee noch da oben liegt!? Wenn es zu gefährlich wird, dann ist natürlich Schluss. An unsere Gruppe will sich noch Hans anhängen, ein Kärntner (guter Freund von Gerfried Gröschl welcher leider nicht mehr am Leben ist) + 3 Mitglieder einer südamerikanischen Gruppe.

32. Tag (25.09.12)

Heute hat unser Chef Stephan seinen 39igsten Geburtstag, Grund für ein Sektfrühstück und einen nepalesischen Kuchen, den die Küchenmannschaft backte. Wir sangen Stephan noch ein Ständchen und anschließend waren wir eigentlich bereit für den Aufstieg, doch es kam wieder anders. Stephan und Norbu unser Hauptsherpa musste zu Russel Price, der hier oben das Kommando hat. Wir brauchen seine starke Sherpa-Mannschaft um da oben zu spuren und Fixseile verlegen. Stephan meinte auch, wenn wir da nicht Geduld haben und warten, dann stehen unsere Gipfelchancen nur bei 50 %. Lieber warten wir noch 2 Tage (somit sind wir bereits 22 Tage im Basislager) als, dass wir noch ein Unglück riskieren. Das Extrembergsteigen ist das Härteste, dass es im Bereich Berge gibt, nach dem Erlebten gibt es für mich wahrscheinlich auch kein Wiederholen mehr. Nun verbringen wir also den restlichen Tag wieder im Lager. Ein paar Kollegen sind trotzdem ins Lager 1 aufgestiegen um Material hoch zu bringen. Schön langsam wird wirklich die Zeit knapp aber lt. Stephans Rechnung ist Gipfeltag der 29.09.2012???

33. Tag (26.09.12)

Schon wieder eine Geburtstagsfeier, Albert hatte seinen 51er anstehen, mal sehen ob es wieder Kuchen gibt. Jetzt hat sich endlich das Wetter verfestigt – ein Tag schöner als der Andere. Das gibt uns natürlich sehr viel Aufschwung und Antrieb für unser Vorhaben „Gipfel“. Wir steigen morgen dann ins Lager 1 auf, es ist jetzt höchste Zeit unsere müden Knochen wieder mal zu bewegen. Seit unserem letzten Aufstieg sind es nun 9 Tage, die wir schon im Basislager verbringen. Stephan meint, dass das bzgl. Höhenanpassung eh sehr gut und hilfreich für uns ist. Die nächsten 4 Tage werden alles entscheiden. Zumindest geht es ab morgen nur noch bergauf – mal schauen, wie weit wir kommen!? Ab 1.10.2012 müssen wir spätestens schon wieder in Samagaon sein, denn wir haben noch einen Rückmarsch von 70 bis 100 km vor uns und ab 4.10.2012 sollen wir in Kathmandu sein. 34. Tag (27.09.12)

Jetzt geht’s endlich los in Lager 1, Männer sind alle gut motiviert – es blieben nur noch 7 übrig, wobei Michael sagte, dass für ihn ab Lager 1 Schluss ist, er ist ein korrekter Zillertaler und wollte kein Risiko wagen. Wobei seine beiden Kollegen Albert und Martin schon meinten, dass er es für Lager 2 probieren sollte aber er ließ sich nicht überreden, noch dazu hatte er die Nacht ziemlich Kopfweh somit war alles klar, dass er da bleibt und wir hatten auch Verständnis. Deshalb geht’s mit 6 Leuten ab nach Lager 3.

35. Tag (28.09.12)

Heute wird es ein sehr anstrengender Tag werden, wir müssen hoch nach Lager II, 1100hm sehr anstrengender Aufstieg von Lager 1. Noch viel schwieriger war nach Lager 3 zu kommen, vorbei am brutalen Lawinenkegel zu gehen und genau zu wissen, dass 3 Tote darunter sind. Das ganze Material, das herumlag - Zelte, Unterlagematten etc. !!grausam!! Wir kamen um ca. 15:00 Uhr oben auf eine Höhe von 6800m an, Stephan musste wieder einen neuen Plan schmieden, denn wir hatten mit unseren Sherpas ein Problem, aufgrund des tragischen Vorfalles letzten Sonntag wollten sie einfach nicht mehr auf den Manaslu. Wir aber hatten unbedingt ein Lager auf 7400m gebraucht, welches die Gipfelchancen um 40 % erhöhen können. Stephan sagte aus Erfahrung, dass er das schon ein paar Mal gemacht hätte, was zwar schwieriger ist aber was hätte er machen sollen, wenn die Sherpas streiken – wir werden sehen – morgen ist der Plan um 01:00 Uhr Start!

36. Tag (29.09.12)

Heute sollte der bis jetzt schwierigste Tag in meinem Leben kommen. Nach Stephans Plan sollte es um 0:00 Uhr losgehen, Teekochen und um 01:00 Uhr fertig vor dem Zelt stehen um den Aufstieg zum Gipfel zu starten. Wir standen zu sechst vor dem Zelt, Albert, Martin D., Pascal, Ritschi, Stephan und ich und starteten los zu Lager 4. Die Fixseile sind verlegt von Russel Price seinen Sherpas. Sehr schwieriger Aufstieg in der Nacht ca. –30°Grad – nach ca. 100 Höhenmeter musste Ritschi unser Schweizer Bergfreund als Erster schon aufgeben. Wir stiegen der Reihe nach weiter, es ging uns recht gut. Es dauerte ziemlich lange, bis uns die ersten Morgenstrahlen auf ca. 7200m begrüßten. Ich musste mal eine Pause einlegen und gönnte mir im steilen Gelände ein Bounty und in diesem Moment rutschte mir auch schon der zweite Riegel den Berg hinunter, das kann passieren bei der ganzen Nervosität und Anspannung. Pascal war der Letzte, dann ging es wieder weiter am Lager 4 vorbei – dort dachte ich mir, dass ich mein Ziel, das ich mir vor der Reise vorgenommen und auch bei meinem Kumpels zuhause angepriesen habe, eigentlich schon erreicht ist, aber da es mir noch recht gut ging zog ich alleine in meinem Tempo weiter.

Auf ca. 7.800m wurde ich dann ziemlich müde, es überholte mich plötzlich ein Mann mit orangen Anzug, ich schaute ihn kurz an, es war Hans aus Kärnten. Wir sprachen ein paar Worte und Hans zog an mir vorbei. Etwas weiter oben schloss ich zu Albert auf, er hat gerade gejausnet und sagte, dass er kurz auf dem Rucksack eingenickt sei. Gott sei Dank hatte ich wieder jemanden, mit dem ich sprechen konnte. Vorne vor dem nächsten Steilaufschwung sah ich Martin D., Stephan und Hans. Ich fragte Albert, ob wir noch den Aufschwung anpacken sollen!? Denn dann sind wir in der Nähe von 8000m und könnten zufrieden abbrechen, wenn es nicht mehr geht. Immer wieder kamen uns Russel Price seine Monster mit dem Sauerstoff entgegen, diese staunten extremst, weil wir in dieser Höhe noch ohne Sauerstoff unterwegs waren. Das Wetter war nach wie vor gut aber kalt, ca. – 25 °Celsius. So ging es weiter nach oben mit Albert, dieser setzte sich wieder nach einigen Schritten von mir ab, aber ich musste immer wieder stehen bleiben, denn sonst geht gar nichts mehr. Die letzten 200hm wurden zur Qual – 5 bis 10 Schritte gehen, dann wieder 2-3 Minuten atmen, atmen. Wieder ein paar Schritte und gleich wieder in den Schnee knien oder fast liegen – das Ganze wiederholte sich laufend. Ein irrsinniger Kampf Mensch gegen Berg, aber es scheint, als konnte man diesmal gegen den Berg gewinnen. Stephan, Martin, Albert, Hans, ich und natürlich unser Hauptsherpa Norbu standen heuer als Erste ohne Flaschensauerstoff am Gipfel des 8163 m hohen Manaslu – Wahnsinnig wunderschön und unglaublich! Ein paar Fotos dann begann gleich wieder der schwierige Abstieg, nach 13 Stunden Aufstieg, gleich wieder einige Stunden absteigen. Der Abstieg ist meistens gefährlicher als der Aufstieg, da man schon sehr überlastet ist.

Gott sei Dank gelang es uns das Lager 3 um 21:00 Uhr zu erreichen!!!!!!!

37. Tag (30.09.12)

Die Nacht auf 6800 hatten wir recht gut geschlafen, heute stand uns der Abstieg von Lager 3 zum Basislager (über 2000hm) bevor. Die Knochen waren sehr müde und jeder Schritt wurde zur Qual, aber es nützte nichts wir mussten runter, denn die Zeit drängt. Als wir im Basislager angekommen waren, warteten schon alle um uns zu gratulieren.

Wir feierten im Zelt mit Speck, Whiskey und Bier auf unseren gewaltigen Gipfelsieg.

38. Tag (01.10.12)

Die Trägermannschaft von Samagaon ist zur Stelle die Zelten ab zu bauen, Trinkgeld zu kassieren und abzureisen.

1400 hm absteigen, ca. 25 km marschieren nach Samtu, eine kleine Ortschaft vor der chinesischen Grenze - um 13:00 Uhr Ankunft, ausruhen für die nächsten 35 km und 1500 hm – nicht zu vergessen, das Ganze mit vier gefrorenen Zehen. 

39. Tag (02.10.12)

07:00 Uhr Abmarsch über den Larkia-Pass 5100m, ein ewig langer Weg aber sehr schöne Aussicht auf unzählige Bergriesen, einer schöner wie der Andere. Wir schauten auch noch einen letzten Blick zum Manaslu bevor wieder ein sehr anstrengender Tag zu Ende ging.

40. Tag (03.10.12)

Wieder ein weiterer sehr anstrengender Tag, heute hieß es ca. 2800 hm absteigen + 40 km marschieren. Somit haben wir jetzt vom „koffern“ genug. Am nächsten Tag geht es nämlich mit dem Bus weiter – unsere Reise nähert sich „Gott sei Dank“ dem Ende.

41. Tag (04.10.12)

Wir starten von Chyamehe, mit einem Jeep besetzt mit 8 Leuten, einem unendlich langen Tal mit Straßen die man in Österreich nicht findet. Ca. 4 Stunden lang unterwegs, dann wechselten wir das Fahrzeug und es ging Richtung Kathmandu, wofür wir auch wieder 5 Stunden brauchten. Nach 9 Stunden Busfahrt hatten wir dann fast schon einen „Fahrkomplex“. Alles gut durchgeschüttelt ging es dann um 21:00 Uhr zum Abendessen (saftiges Steak und Bier) in Kathmandu. - Gut Nacht !!!!!!

42. Tag (05.10.12)

Ruhetag in Kathmandu, faulenzen, einkaufen und feiern.

43. Tag (06.10.12)

Fertig machen zur Heimreise: packen und nochmals ein bisschen bummeln, abrasieren sowie duschen.

44. Tag (07.10.12)

07:30 Uhr Ankunft am Flughafen München. Sehr herzlicher Empfang! - Überglücklich!!!!

 

Abschluss: Es wurden 16700 hm + 262 km zurückgelegt – Wieder eine erfolgreiche Großexpedition mit gutem Ausgang bzw. Gipfelerfolg! (EINZIGARTIG)

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